Hilsbereitschaft und Dankbarkeit.

Der Fall:

Eine große Urlaubsreise mit dem Boot auf eigenem Kiel war geplant. Reiseziel noch ungewiss – jedoch erst einmal von Bremen die Weser flussabwärts nach Bremerhaven. – Einmal richtig Fisch – satt – essen. In allen Variationen. Bei „Franke“ im Fischereihafen wollte ich meine Schlemmertour beginnen.

Die Fahrt nach Bremerhaven verlief ohne besondere Vorkommnisse, wie es so schön heißt. Das Wetter war auch nicht das Schlechteste – allerdings recht windig. „Seegang“ auf der Weser so um einen Meter. – Nicht schlimm, jedoch auf See wollte ich nicht unbedingt bei dem Wind.

Aber erst einmal Bremerhaven.

Am „Schaufenster“ im Bremerhavener Fischereihafen machte ich zunächst am Anleger an der „Muckibude“ fest. Doch gegen Abend, als die ersten „Body-Builder“ kamen und offenbar Kampfsporttrainig angesagt war, wurde mir das „Ah....oh.....ach – Geschrei“ zu viel und ich verholte mein Boot an die gegenüber liegende Seite des Hafenigbeckens.

Am nächsten Morgen kaufte ich mir erst einmal eine „Kiste“ Räucherfisch. „Franke“ bietet da zwei zur Auswahl an, eine zu 10,00 € und eine etwas größere zu 15,00 €. Beide enthalten verschiedene Sorten von geräuchertem Fisch, Makrele, Dorsch, Heilbutt. „Schillerlocke“ – je nach vorhanden sein der Fische – aber immer ein lohnender Genuß. Für eine Mahlzeit eigentlich zu viel . . . aber wenn das sooo gut schmeckt, bleibt die Vernunft oft auf der Strecke. – Die ganze Kiste zu 10,00 € habe ich „verputzt“ – Gott sei dank blieb die erwartete „Flitzkacke“ aus. Am nächsten Tag also noch einmal eine Kiste. Dieses Mal war ein geräucherter Rollmops dabei. Den habe ich aber nur probiert und dann weggeworfen. Geschmack ging zwar – aber ich hatte das Geführ, dass er nicht wie sonst bei Rollmöpsen üblich, filetiert afgewickelt worden war, sondern so, wie er aus dem Wasser gefisch wurde. Voller Gräten. Es waren einfach zu viele. Mit dem „Pulen“ war da nichts zu machen. – Nur Gräten . . .  Also „geräucherten Rollmops“ gar nicht erst kaufen. – Ansonsten, wie gewohnt – köstlich.

Der Wind war am 3. Tag noch stärker geworden. Ursprünglich hatte ich „außen herum“ von der Weser in die Elbe zu fahren und nicht wie die meisten Sportbootfahrer durch den „Elbe-Weser-Schifffahrtsweg“. Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, als mit „Höchstgeschwindigkeit“ von  8 km in der Stunde von Bremerhaven nach Otterdorf zu schleichen. 8 Stunden dauert der Törn. Furchtbar. – Also, auf besser Wetter warten, damit ich ohne große Probleme über die Nordsee fahren kann.

Doch dazu kam es gar nicht mehr. Spät abends bekam ich einen Anruf auf mein Handy. Eine „Carmen“ erklärte mir, dass ihr Papa in Seenot geraten wäre und dringend meine Hilfe benötige. Zunächst konnte ich mit einer „Carmen“ gar nichts anfangen. Doch dann dämmerte es, dass es sich um die Tochter des „großen Käp´ten“ der „Kiki“ handeln konnte. – Nach einigen Fragen klärte sich dass auf. Der Eigner der „Kiki“, mir seit über 40 Jahren bekannt, weil wir einmal Mitglieder des gleichen Wassersportvereins waren, hatte in der Oste-Mündung geankert. Dabei sei Wind aufgekommen und der Anker hätte nicht mehr gehalten. Durch Strömung und Wellenschlag sei er immer mehr auf Land bei auflaufendem Flutstrom gekommen, so dass aus eigener Kraft an ein Freikommen nicht mehr zu denken war. Bei der Aktion des Versuchs, wieder frei zu kommen, sei auch noch das Handy, auf dem meine Nummer gespeichert war, über Bord gegangen.

Eine Nacht hat er so in seinem Boot verbringen müssen, bevor der durch Absetzen eines Notrufs der Seenotrettungskreuzer der DGzRS ihm zur Hilfe kommen konnte. Eine weitere Tiede habe man abwarten müssen, bevor die Seenotretter mit Unterstützung der Wasserschutzpolizei ihn mit einer 500 Meter langen Schleppleine erreichen konnten, um ihn aus dem Watt an der Oste-Mündung ziehen zu können. Dabei sei sein Boot auf die Seite gelegt worden und Wasser und Schlamm seien in das Boot eingedrungen – und hätten Anlasser und Motor unbrauchbar werden lassen. Außerdem sei der der Aktion das Teleflex Steuerkabel gerissen, so dass auch die Lenkung nicht mehr funktionierte.

Die DGzRS hätte ihn schließlich weiter Flussaufwärts in die Oste geschleppt, wo er jetzt vor dem Sperrwerk an einem Wirtschaftssteg des Wasserwirtschaftsamtes läge.

Ich nahm telefonischen Kontakt mit ihm über sein Ersatzhandy auf, dessen Nummer mir von seiner Tochter übermittelt wurde. Welch ein Glück, dass noch ein Handy vorhanden war – auch wenn auf dem keine weiteren Telefonnummern gespeichert waren.

„Was wollen wir machen, soll ich Dich nach Neuhaus schleppen? Da ist eine Werft, die alles reparieren könnte.“ Fragte ich. „Nein, da war ich schon. Die sind viel zu teuer. Der will für das Schleppen in den Werfthafen allein 100,00 € haben – und für die Lenkung 900,00 €, die es nur noch komplett neu gäbe. Außerdem habe ich mir einen Finger gebrochen und einen dicken Fuß habe ich auch. Ich muss nach Hause, nach Bremen. Kannst Du mich schleppen?“

„Ich bin in Bremerhaven. Das Wetter ist schlecht, ich müsste durch den Hadelner Kanal fahren. Da muss ich alles abbauen, weil ich sonst nicht unter die Brücken durch passe. Ein Glück, dass erst vor kurzem die niedrigste Brücke des Kanals, die Eisenbahnbrücke vor Otterndort um 20 cm erhöht wurde, sonst käme ich da nicht durch und das meine Durchfahrtshöhe des 2. Fahrstandes mit der nicht abnehmbaren Scheibe genau 2,70 Meter betragen würde. Außerdem: das kostet aber . . .“

Originalton des Havarie Käp´tens: „Egal, dass zahlt doch meine Versicherung.“

Na denn. So machte ich mich auf den Weg in die Geeste. Vom Wassersportverein Wulsdorf zur Schleuse. Ausschleusen aus dem Fischereihafen, die Geeste hoch bis zur Tidensperrwerk-Schleuse, schleusen, bis Lintig – schleusen – den Elbe-Weser-Schifffahrtsweg über Bederkesa bis nach Otterdorf, wo ich am Abend des ersten Tage festmachen konnte.

Da der Motor nicht wie gewohnt auf der Fahrt durch den Kanal ruhig lief und ab und an Drehzahländerungen bemerkbar waren. Schaute ich mir die Kraftstoffleitung noch einmal genau an. Wie ich vermutete, war Luft in die Leitung gelangt. Bei dem Versuch, diese mittels der vorhandenen Handförderpumpe an der Einspritzpume des Motor zu beseitigen, bemerkte ich, dass diese stark leckte. Das Entlüften der Kraftstoffleitung gelang nicht. Was nun? Ob ich in Otterdorf eine neue Handpumpe bekäme?

Ich fragte den Schleusenmeister der Otterdorfer Schleuse. Der diensthabene Schleusenmeister Ingo Kahlsdorf,  der Sohn des „alten“, ehemaligen Schleusenmeister, wusste Rat: Er könne die hiesige Raiffeisen-Werkstatt empfehlen. Die hätten viele Teile vorrätig oder könne diese kurzfristig besorgen. Freundlicher Weise bot er mir an, mich mitsamt meiner ausgebauten, defekten Handpumpe zu dieser Werkstatt zu fahren. Ein nettes Angebot, welches ich gerne annahm. – Doch leider . . . „die haben wir nicht da“ hieß es. Ja, Pech. „Warten Sie mal, ich schau noch mal.“ – Tatsächlich kam er nach kurzer Zeit mit genau der benötigten Pumpe zurück. Sie war in einem Karton verpackt, der augenscheinlich nicht zu der Pumpe passte – doch egal, ich war glücklich, eine andere Pumpe erwerben zu können. Wir einigten uns auf einen Preis von 50,00 €, zusammen mit ein paar passenden, neuen Kupferdichtungen.

Nach dem Einbau bemerkte ich sofort, dass man mir offenbar eine gebrauchte Pumpe verkauft hatte. Sie leckte beim Fördern fast genau so stark wie die alte, doch immerhin konnte ich die Kraftstoffleitung damit entlüften. Bei „Zuschrauben“ der Pumpe schien sie auch „dicht“ zu sein. Ein Probelauf der Maschine von einer Stunde verlief zufriedenstellend. Ich konnte also am nächsten Tag meine Fahrt zur Oste fortsetzen, um dem Havaristen zur Hilfe kommen zu können.

Am Morgen des nächsten Tage ging es los. Schleusen in die Medem. Von dort in die Elbe – und um 11.00 Uhr hatte ich die Oste-Mündung erreicht. Die Fahrt zum Sperrwerk verlief o.b.V. Von Weitem schon sah ich die „Kiki“ am Wirtschaftsanleger des Wasserwirtschaftsamtes vor dem Oste-Sperrwerk liegen. Das Anlegen bei der Starken Flutströmung war schon ein Akt für sich, die aber nach einigen Fahrmanövern gelang. Die „Lioba“ lag vor der „Kiki“ und konnte die Schleppleine, verbunden mit je einem „Hanepot“ an der Bugseite der „Kiki“, bzw. an den Heckklampen der „Lioba“ befestigt werden. Bereit zum Abschleppen. Wir warteten noch das Hochwasser ab, um bei Tidenwechsel zurück nach Otterndorf zu fahren.

Die Fahrt zurück verlief zunächst problemlos. Der starke Wind und mittelstarke Wellen ließen bei Sonnenschein im Gegenlicht die Fahrwassertonnen, die sich nur auf der Backbordseite befanden, schlecht erkennen. Im Gegenlicht waren die grünen Tonnen nur als schwarze Silhouette mehr oder weniger gut sichtbar. So war es eigentlich kein Wunder, dass ich nach einem rückwärtigen Blick auf das zu schleppenden Boot, eine „grüne“ Tonne übersah – und mich an der nächsten Tonne orientierte. Das war genau in der S-Kurve der Ostemündung – und fatal, denn plötzlich befand ich mich ca 4 Meter außerhalb des Fahrwassers – und hatte sofort Grundberührung, die ich jedoch glücklicher Weise nach kurzer Zeit durch den Schlick, aus eigener Kraft beenden konnte.

Das zeigte wieder einmal, wie gefährlich die Oste-Mündung ist. Zumal ich auch erst einmal zuvor die Oste bis Bremerförde befahren hatte. Auch damals hatte ich schlechte Erfahrung mit der Oste gemacht. Starke Strömung – und jede Menge Unrat schwammen in ihr, was mich prommt ein Bettlaken in den Propeller der damals noch „alten Lioba“ „einfangen“ ließ.

Auf der Elbe machten dann die hohen Wellen der Berufsschifffahrt weiteres manöverieren beschwerlich. Doch gegen 17.00 Uhr erreichten wir dann Otterndorf, wo wir vor der Schleuse festmachten. Am nächsten Morgen sollte es dann durch den Hadeler Kanal weitergehen bis Bad Bederkesa.

Die Strapazen des Tage machte sich durch starke Magenschmerzen und regelrechtem Schüttelfrost in der Nacht bemerkbar. Man ist halt nicht mehr der jüngste . . . dennoch ging es am nächsten Morgen schon um 6.00 Uhr weiter. Wegen der Tide war schleusen schon um 8.00 Uhr angesagt. Vorher mussten wir natürlich aus dem Hafen in der Medem fort sein, weil dort die Gefahr des Festkommens wegen des niedrigen Wasserstandes bestanden hätte. Tatsächlich sind wir nicht ohne Grundberührung aus dem Hafen in Otterndorf gekommen. „Es ging gerade noch mal so.“

Die Einfahrt in die Schleus klappte auch relativ gut. Durch die Antriebs- und Steuerlose „Kiki“ im Schlepp, war das manöverieren ind der Schleusenkammer nicht so „ohne“. Gott sei Dank war fast Gleichstand, so dass ohne große Wartezeit in der Schleuse der Ablauf relativ kurz gehalten werden konnte. Der diensthabene Schleusenmeister war dieses Mal Thomas Stüven, der ließ uns dann auch ohne weiteres Aufstoppen in den Kanal fahren. Die Schleusengeühren würden wir bei nächsten Besuch nachzahlen.

Gegen 13.00 Uhr kamen wir ohne weitere Zwischenfälle in Bad Bederkesa an. Drei Tage Erholungspause waren angesagt. „Jetzt erst einmal richtig schön essen gehen. „ Ich lad´ Dich ein“ – so Peters Worte.

Darauf ließ ich mich gerne ein. Als ich dann auf das am See in Berdekesa liegende Restaurat „Dobbendeel“  zusteuerte, meinte Peter jedoch: „Da kannste nicht essen gehen. Die sind viel zu teuer. Ich gehe immer dort essen.“ Dabei steuerte er auf die in der Nähe befindliche Imbisbude zu. Das „richtig schöne Essen“ bestand dann aus einer Curry-Wurst mit Pommes Frites und einem schlecht schmeckendem Herforder Bier . . .

Am nächsten Tag kochte ich dann das Mittagessen für uns beide in der Bordküche der „Lioba“. Es gab ein „richtig gutes Essen“! Bestehend aus Currywurst mit Bratkartoffeln und kühlem Früchtekompott als Nachtisch.

Nachdem wir wieder zu Kräften gekommen waren, ging es am Montag weiter nach Bremerhaven. Telefonisch hatte ich mich mit der Schleuse am Tidensperrwerk angemeldet und mitgeteilt, dass ich einen Havaristen in Schlepp hätte. Ob eine Dockschleusung möglich wäre – und wann wir dann dort sein müssten. „Eine Dockschleusung machen wir nur mit Sondergenehmigung“. War die Antwort des Geeste-Schleusenmeisters in Bremerhaven. „Ihr müsst bis spätestens 17.00 Uhr hier sein, damit ihr noch unter dem Querträger in der Schleuse durch kommt. Wir waren um 15.30 Uhr dort. An der Autobahnbrücke meldete ich unsere Position. „Kommt mal ´ran, ich geb´ Euch „grün“ .

Es klappte prima. „Manöverierroutine“ hatte sich inzwischen eingestellt. Um 17.00 waren wir am „Seglersteg“ beim Tonnenhof in der Geeste fest. Die paar Kilometer die Weser hoch würden wir am nächsten Tag mit auflaufendem Wasser auch noch schaffen.

Dienstag Mittag um 11.00 Uhr mit auflaufendem Wasser ging es dann in gewohnter Weise weiter nach Bremen. Alles klappte wunderbar. Das Wetter war schön, fast zu schön, doch dank des noch am Vortage wieder aufgerichteter Fahrerstand-Persenning, saß ich wieder im Schatten, was ja wärend der Fahrt durch den „Elbe-Weser-Schifffahrtsweg“ wegen der niedrigen Brücken nicht möglich gewesen war.

In Brake erreichte dann der Flutstrom seine höchste Geschwindigkeit. Fast 8 Knoten fuhr die „Lioba“ mit der „Kiki“ in Schlepp die Weser flussaufwärts. Gegen 18.00 Uhr waren wir am Bremer Weserstadion, als uns ein Binnenschiff entgegenkam. Ursprünglich war geplant, durch die Sportbootschleuse zu fahren. Dass die wieder einmal ausser Betrieb war, haben wir erst später erfahren. Ich meldete mich über Funk bei der Bremer Weserschleuse und erzählte, dass ich ein Antriebs- und Steuerloses Boot im Schlepp hätte. Der freundliche Schleusenmeister verstand sofort und meldete, dass wir kommen sollten. Es läge zwar ein weiteres Sportboot in der Schleuse, doch erwürde auf uns warten. Es passe ganz gut. Berufsschifffahrt wäre noch nicht ganz soweit.

Prima – wir konnte gleich in die große Schleuse einfahren . . . natürlich gaaaanz vorsichtig. Wir kamen auch gut fest. Das Schleusen begann und verlief reibungslos. Bald waren wir „Oben“ und konnten ausfahren. Bei der Ausfahrt kam das angekündigte Berufsschiff uns schon im Vorhafen entgegen. Ich musste bei der Ausfahrt gleich nach rechts lenken . . . als plötzlich der Motor der „Lioba“ ausging. Einfach so. Ohne Vorankündigung. Bis in die Schleuse und anschließender Ausfahrt war alles einwandfrei verlaufen. Nun das!

Mit Hilfe des Bugstrahlruders lenkte ich das Gespann in Richtung Spundwand, um dort an zu legen. Dabei trieb die „Kikki“ durch Restschwung und Wind an meine Backbordseite. Beide Boote trieben Flussaufwärts in dem Vorhafen an der Spundwand entlang. – Zwischenzeitlich war Peter von seinem Boot auf die „Lioba“ geklettert und hangelte sich im Bugbereich an der Spundwand entlang, um so den sich gut 100 Meter entfernten Hafen des OSV zu erreichen. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Wärend ich aufstoppen und anlegen wollte, beschleunigte Peter beide Boote noch. Da inzwischen die „Lioa“ mit  „Kiki“ an der Steuerbordseite an der Spundwand entlang „schrammte“, war die Prallleiste dem Druck beider Boote nicht mehr gewachsen und riß. „So eine Sch. . . „ – Die Pralleiste war erst vor einem Jahr bei der Renovierung der „Lioba“ erneuert worden, was viel Geld gekostet hatte.

Zufällig war ein Vereinskollege aus dem OSV mit seiner kleine Jolle in der  Nähe, der das ganze Manöver mit angesehen hatte. Der nahm uns auf den „Haken“ und schleppte beide Boote um die Ecke, wo wir dann an dem Aussenanleger des OSV festmachen konnten.

Wie sich später herausstellte, war die in Otterndorf gekaufte Dieselhandpumpe doch nicht ganz dicht. Auf der langen Fahrt hatte sich wieder eine kleine Luftblase gebildet, die auchgerechnet bei der Ausfahrt aus der Schleuse den Motor hat ausgehen lassen.

Nun waren wir ja erst einmal im sicheren Hafen angelangt. Schon am nächsten Tag kam Peter auf die Kosten für die Angelegenheit zu sprechen. Ich wollte mich bei soviel “Unglück” eigentlich großzügig zeigen und nur die Betriebskosten sowie die Prallleiste ersetzt haben. Laut Betriebsstundenzähler war ich 32 Stunden unterwegs, a´ 8 Liter, sind ungefähr 400,00 Euro plus Kosten für die Prallleiste.“

Das war in Peters Augen eine unverschämte Forderung. Sein Bruder hätte in seinem Boot den gleichen Motor wie die „Lioba“ – und der würde nur 5 Liter die Stunde verbrauchen. Außerdem sei der Kanal nur 60 Km lang, was in 7 Stunden zu schaffen sei. Bis zur Oste noch einmal höchstens zwei Stunden – und zurück bis Bremerhaven – allenfalls 18 Stunden. Dann bis Bremen 6 Stunden,  wären maximal 24 Stunden.  Schließlich sei ich ja schon in Bremerhaven gewesen, als ich von seiner Notlage erfahren habe. !!!

So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ganz davon abgesehen, dass ich auf Urlaubsreise war, ich diese wegen seiner Havarie abgebrochen habe – und ich schließlich wieder nach Bremerhaven müsse um diese fortsetzen zu können, handelte es sich nach Peters Angaben ja um einen Schaden, der von seiner Kasko-Versicherung, bzw. seiner Haftpflichtversicherung abgedeckt gewesen wäre.

„Da für, dass Dein Motor bei der Schleusenausfahrt ausgegangen ist, kann ich ja nichts. Da braucht auch meine Versicherung nichts bezahlen“ So die Aussage des Peter W.

„Kausalität ist bei einem solcher Maßen „gebildeten“ Menschen natürlich ein Fremdwort.

Es war keine einverständliche Regelung möglich.

So viel zu Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit. Von einer „freundlichen“ Regelung der Schadensregulierung habe ich daher abgesehen. Im Internet habe ich nach tatsächlichen Betriebsstunden-Kosten einer Motoryacht wie der Lioba gesucht – und gefunden. Dort werden mindestens 80,00 € als tatsächliche Kosten aufgeführt. Bei dem schofeligen Verhalten von Peter W. musste ich natürlich die tatsächlich angefallenen Kosten berechnen.  (siehe hier)

Wegen der Prallleiste habe ich mich zunächst telefonisch bei einer Werft in der Lesum nach den Montagekosten dafür erkundigt, die bei ca 1500,00 bis 2000,00 € liegen würden – plus Kosten für die Prallleiste, die mir mit 1200,00 € vom Vorjahr noch in Erinnerung waren.
 

 

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